Conquistadoren und Azteken

Conquistadoren und Azteken

Stefan Rinke

Ein ebenso faszinierendes wie wichtiges Buch ist es, das Stefan Rinke, Professor für Geschichte Lateinamerikas, hier vorlegt. Bei der Lektüre wird schnell offensichtlich, dass selbst in der jüngeren Geschichtswissenschaft die Aufarbeitung der historischen Ereignisse, die man als "Eroberung des Aztekenreichs" umschreiben mag, stellenweise noch auf Deutungen und Erklärungen beruht, die bei erneuter Betrachtung unwahrscheinlich oder gar unhaltbar sind.

Rinke zeigt überzeugend, dass insbesondere die zentrale Rolle des großen Eroberers Hernán Cortés eine noch kritischere Betrachtung verlangt als das bisher der Fall war. Denn dessen überschaubare Flotte hätte alleine keineswegs das mächtige Aztekenreich des Moctezuma erobern können. Vielmehr führte das Ausnutzen und Anfeuern diverser schwelender Konflikte zwischen den verschiedenen indigenen Völkern und Stämmen zur Rebellion und dem anschließenden Untergang des Reiches. Kein heroischer, missionarischer Feldzug einer überlegenen christilichen Zivilisation war Cortés Vermächtnis, sondern die Auslöschung einer auf vielen Gebieten fortschrittlichen Kultur. Im Grunde ein kümmerlich verschleierter Völkermord an dem vor allem auch aus Europa eingeschleppte Krankheiten einen signifikanten Anteil hatten und dessen wahrer Antrieb westlicher Machthunger und unersättliche Gier waren.

Eine fesselnde Lektüre, die eine notwendige kritischer und realistische Betrachtung liefert und den Leser mitreißt in eine Welt voller Intrigen & Kämpfe, Mythen & deren Entlarvungen und einmal mehr deutlich zeigt, wo in der Geschichte die wahren Barbaren zu finden sind.

ISBN_978-3-406-73399-4

Verlag_C.H.Beck

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Thomas-Daniel Reichling
Rezensiert von_