Königsallee

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Hans Pleschinski

Sommer 1954: Thomas Mann reist mit seiner Frau Katja und Tochter Erika nach Düsseldorf, um am nächsten Abend aus seinem neuen Roman „Felix Krull“ zu lesen. Was in den achtundvierzig Stunden in Düsseldorf passiert, lässt Hans Pleschinski wie in einer Filmkomödie von Ernst Lubitsch vor unserem geistigen Auge entstehen.

Klaus Heuser, die große (fast) platonische Liebe Thomas Manns vor über zwanzig Jahren und Vorbild seines Josephromans ist gleichzeitig mit seinem exotischen Freund Anwar im Breidenbacher Hof abgestiegen, ein Zufall, der es in sich hat. Tochter Erika versucht mit aller Macht eine mögliche Begegnung der beiden zu verhindern, um den 'Zauberer' nicht unnötig in Unruhe zu versetzen. Zudem ist Golo Mann, der ungeliebte Sohn, in die Stadt gereist, um endlich die längst fällige Anerkennung seines Übervaters einzufordern. Und da ist noch Ernst Bertram, früherer enger Freund von Thomas Mann, der sich im braunen Sumpf des Nationalsozialismus verlor und nun auf eine späte Versöhnung mit dem großen Meister hofft.

Hans Pleschinski führt einen bunten Reigen skurriler und absurder Begegnungen vor und erzählt wortgewaltig, wie es gewesen sein könnte, wenn Klaus Heuser an den Rhein gekommen wäre. Und mittendrin die ewige Frage der Literatur nach Ruhm und Verzicht, der Verantwortung des Künstlers und dem Preis des eigenen Lebens. Hört sich nach schwerer Kost an, ist in Wahrheit aber im höchsten Maße amüsant und boshaft zugleich. Detailgenau und kenntnisreich erweckt Hans Pleschinski Thomas Mann und die 50er Jahre zu neuem Leben. Unbedingt lesen!

ISBN_978- 3-406-65387-2

Verlag_C.H.Beck

Hilke Castner
Rezensiert von_