Wer hat meinen Vater umgebracht

Wer hat meinen Vater umgebracht

Edouard Louis

Bereits Edouard Louis erster Roman „Das Ende von Eddy“ stand ganz im Zeichen des Konfliktes von Vater & Sohn, den schon so viele literarische Werke zum Thema hatten. Das Buch war eine Anklage gegen einen tyrannischen Vater, eine Abrechnung, ein Versuch der Loslösung von einer harten Kindheit und Jugend. Ein Zurücklassen einer Welt aus Armut und Gewalt, die Edouard Louis vollzog, als er zum Akademiker und Intellektuellen wurde und damit einen starken Kontrast zu einem Vater darstellt, der sich selbst nie aus der Arbeiterklasse lösen konnte. Der Vater hingegen zerbrach psychisch und letztlich körperlich an seiner Situation und suchte Flucht im Alkohol. Seinen Zorn und seine Verzweiflung brachte er jedoch jeden Abend mit nach Hause.

Doch die Verarbeitung der Vergangenheit scheint damit für Eduard Louis noch nicht ganz abgeschlossen zu sein, wie sein neuester Band zeigt. Analytisch und deutlich versöhnlicher versucht er nun die wahren Gründe für das Wesen seines Vaters zu finden, eine Rechtfertigung, eine Erklärung. Sucht nach Verbindung und den seltenen guten Momenten und nach den wahren Schuldigen, die ein System sozialer Ungerechtigkeit aufrechterhalten, welches Männer wie Edouard Louis Vater – auch heute noch! – in die Knie zwingt.

Ein schmaler Band mit großer Wucht. Arbeiterschicht, Maskulinität, Scham, Armut und Klassen-Mobilität, die so oft – viel zu oft – bloße Illusion bleibt.

ISBN_978-3-10-397428-7

Verlag_S. Fischer

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Thomas-Daniel Reichling
Rezensiert von_