
Brawler
Lauren Groff
01.07.2026
"Er würde hier liegen, schwebend jenseits des angespannten heißen Nachmittags und hinein in die Dämmerung voller Glühwürmchen, er würde hier liegen bis in die Nacht, bis in den Morgen, den ganzen übrigen Sommer hindurch und den Herbst, wenn die Oberfläche des Teichs von den roten Blättern des Ahorns bedeckt war, und den Winter, wenn die Kälte ihn verlangsamte, bis sein Herz nur noch einmal am Tag schlug und das Eis ihn sanft bedeckte mit der Festigkeit von Glas."
Eine Meisterin der Kurzgeschichte betritt hier erneut mit einem Paukenschlag die Bühne. Ihre Erzählungen haben mit Zurückhaltung nichts am Hut, schneiden direkt in das Gewebe der Realität und lassen die Wahrheit darunter leuchten. Groffs Schreiben erinnert an die unübertroffene Alice Munro mit deren tiefen Menschlichkeit und brillanten "doppelten Böden", aber auch an die überschäumenden, intensiven Texte Clarice Lispectors, die sich mit genialischer Vehemenz gegen die Fesseln des Konventionellen warf.
Wer sich an "Brawler" heranwagt, dürfte endgültig davon überzeugt werden, dass Kurzgeschichten Romanen in nichts nachstehen und auch so manches voraus haben können, denn die hierbei notwendige hohe Verdichtung sorgt für eine umso heftigere Epiphanie, wenn der letzte Schleier fällt.
Lauren Groff erzählt virtuos vom Alltäglichen, das an den Rändern ausfranst, von den schicksalhaften Momenten, die sich als solche erst noch verraten müssen und von Menschen, deren Gesichter nicht die Zeichen ihrer inneren Verwüstung nach außen tragen.
Erscheint im Oktober 2026 in deutscher Übersetzung bei Claassen ("Raufbold" - 978-3-546-10168-4).
ISBN_9781529152890
Verlag_Hutchinson Heinemann
