Die Aussiedlung

Die Aussiedlung

Visky, András

09.12.2025

"Nein, sagte Mutter in ihrem Herzen, ich werde nicht auf ihn verzichten und werde ihn nicht freilassen, ich soll ihn im Gefängnis freilassen, der Satz allein klingt wie ein Scherz, das werde ich weder auf Aufforderung eines Menschen noch auf Gottes Aufforderung tun, ich werde um ihn kämpfen, und auch um meine Kinder werde ich kämpfen, solange mich die Seele trägt."

Visky sagt, er sei Schriftsteller geworden, um das Schicksal seiner Familie zu erzählen. Ergänzend zu seinen eigenen Erfahrungen betrieb er extensive Archivrecherche und schreibt sich mit Die Aussiedlung so in die Geschichte der großen Lagerliteraturen ein. Denn diese Lager des 20. Jahrhunderts sind Fokuspunkte der Unmenschlichkeit. Fast fünf Jahre verbrachte András Visky als Kind mit seiner Mutter und den Geschwistern in Gulags der rumänischen Bărăgan-Steppe. Sein Roman ist somit ein literarischer Versuch im Erinnern, eine Suche nach Sinn im Sinnlosen, ein Mosaik aus 822 kurzen Textscherben, die Stück für Stück zu einem literarischen Denkmal für Opfer und Helden unter Stalin werden; Stück für Stück Lichtpunkte werfen in eine finstere Zeit.

Die Verhaftung eines rumänischen Pfarrers und die Deportation der ganzen Familie in die grausamen Arbeitslager der Kommunisten stehen also zu Beginn der Geschichte einer Familie, die dem Unvorstellbaren entgegentreten muss und dabei eine außergewöhnliche Kraft entwickelt, einen Freiheitsdrang und ein absolutes "Nein" zum Tod. Ein unverrückbares Festhalten an der Hoffnung. Die Aussiedlung ist aber ebenso ein Ausloten der bodenlosen Kluft zwischen den tief religiösen Anschauungen der Familie und der Sprachlosigkeit Gottes im Angesichts des stalinistischen Elends.

Die Aussiedlung ist ein beeindruckendes Zeugnis des Widerstands, eine Mahnung jener, die kein Schicksal hatten. Seit Schalamow und Solschenizyn wurde nicht mehr mit solcher Eindringlichkeit über die stalinistischen Gulags geschrieben.

ISBN_978-3-518-43245-7

Verlag_Suhrkamp

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