
Die Insel
Giani Stuparich
23.03.2026
Jetzt verstand der Sohn den Charakter der hier geborenen Menschen besser, die tief in ihren Knochen den Bau der Insel und in ihrem Blut deren Unruhe fühlten; er verstand auch seinen Vater besser. Täuschung war der Friede des Hafens; die Wirklichkeit war hier draußen, im offenen, unaufhörlichen Kampf.
Strahlend blau – fast weiß – liegt das Meer in der gleißenden Sonne und entsendet salzige Frische über die Wellen. Der Vater hat den Sohn gebeten, ihn auf der Reise zu seiner kleinen Heimatinsel vor der Küste Istriens zu begleiten. Durchaus gegensätzlich sind diese beiden, der Vater früher Seemann, den es in die Welt hinauszog, und dessen Sohn, der sich eher in die Berge zurückzuziehen sucht – doch der eine erkennt sich auch im anderen.
Der Sohn stimmt dem Vorhaben zu, kein Zögern ist erlaubt, weiß er doch, dass dies des Vaters letzte Reise sein könnte. Eine schwere Krankheit hat dessen nahenden Tod gewiss macht, der Vater indes weiß nicht um die genauen Umstände seines Leidens. So beginnt ein poetischer Tanz um Erinnerung und Verbundenheit im Halbschatten der Endlichkeit, eine Rückkehr von Vater zu Heimat, Sohn zu Vater und Vater zu Sohn.
Ein Kleinod der italienischen Literatur aus dem Jahre 1942, das mit einer mühelosen Eleganz begeistert, wie sie allzu selten geworden ist.
ISBN_978-3-311-10168-0
Verlag_Kampa
