Die nicht sterben

Die nicht sterben

Dana Grigorcea

So fröhlich und lebendig sind die kindheitlichen Urlaubserinnerungen der Ich-Erzählerin an die Villa der Tante, nahe der Grenze zu Transsilvanien, dass der Leser nostalgische Verklärtheit oder zumindest eine große Privilegiertheit wittern mag. Bei der Rückkehr der Erzählerin ist dann viel Zeit vergangen, das Ende der Schreckensherrschaft Nicolae Ceausescus in der Zwischenzeit erscheint als Zäsur in der Geschichte Rumäniens. Doch es wird offensichtlich, dass die Geister der Vergangenheit noch nicht zur Ruhe gekommen sind und ein Leichenfund auf dem Grab des berühmt-berüchtigen Fürsten Vlad III. Draculea bringt Unruhe in das Städtchen B.

Behutsam greift Dana Grigorcea nach den Fäden der Vergangenheit, verwebt sie mit den Geschehnissen der Gegenwart und zeigt, wie sich das Böse zwar verändert, aber letztlich bloß in anderer Gestalt Unheil verbreitet. Mit geschickt integrierten, surrealen, stets in der Unsicherheit zwischen Traum und Wachsein verbleibenden Elementen erzeugt sie einen Erzählraum, in dem das Übernatürliche durchaus im Bereich des Möglichen liegt und somit außerordentliche Symbolkraft erlangt.

Grigorceas Vampire, also jene, "die nicht sterben", erheben sich so aus der historisch-fiktionalen Fixierung, sind Archetypen; Raffgierige und Verbrecher, Unmenschen und Tyrannen – Blutegel am Körper Rumäniens. Wichtig sind aber eben auch jene, die wach bleiben im Angesicht von Ausbeutung und Unterdrückung; stille Held*innen, die sich selbst im Spiegel erkennen können und nicht vampirgleich ohne Spiegelbild verbleiben.

Die nicht sterben ist eine ebenso kurzweilige wie mutige literarische Annäherung an die Seele eines Landes, dessen Vergangenheit es noch immer in den Krallen hält. Ein Roman, der sich einfügt in die endlose Reihe der Schilderungen des immerwährenden Kampfes zwischen Mensch und Mensch.

ISBN_978-3-328-60153-1

Verlag_Penguin Verlag

_jetzt bestellen

Thomas-Daniel Reichling
Rezensiert von_