Haus zur Sonne

Haus zur Sonne

Thomas Melle

26.09.2025

Shortlist Deutscher Buchpreis 2025

Wer Thomas Melles Vita betrachtet, findet sich mit der Tatsache konfrontiert, dass dieser Betroffener einer bipolaren Störung ist. Infolge mag man sich noch so sehr bemühen, die Grenze von Leben und Schreiben zu achten, doch wenn Melle in Haus zur Sonne mit erschütternder Präzision und Einsicht über das an- und abflauende Gewitter psychischer Verstörung schreibt, das die Hauptfigur umgibt, fällt es schwer, nicht daran zu denken. Die literarische Verarbeitung ist hier in schmerzhafter Eleganz vollbracht und zeigt das fragile Dasein eines Menschen, für den die seelische Verwundung Mittelpunkt des Lebens ist.

Der Erzähler im Roman ist ebenfalls bipolar und hat zu Beginn nach einer recht langen, guten Phase einen heftigen Rückfall in die Manie erlebt, eine Episode von äußerster Heftigkeit und Dauer – er hat sein Leben dabei (wieder einmal) zerstört. Ein Weiterleben mit der stetigen Drohung einer nächsten Manie am Horizont ist eine unerträgliche Vorstellung. Die Klinik "Haus zur Sonne" bietet eine Lösung: wird ein Klient aufgenommen, akzeptiert dieser, dass nach der Simulation unerfüllter Wünsche des Klienten dessen Leben beendet wird; für den Erzähler eine euphorisierend-tröstende Verheißung.

Haus zur Sonne ist ein außergewöhnlicher Roman, ein eindringliches Vexierspiel der Seele, das uns tief hinein führt in den Kopf von einem, der sich selbst oft Feind ist.

ISBN_978-3-462-00465-6

Verlag_Kiepenheuer & Witsch

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