Herzfaden

Herzfaden

Thomas Hettche

Wer kennt sie nicht, die Figuren aus der Augsburger Puppenkiste: Jim Knopf, Urmel aus dem Eis, den kleinen König Kalle Wirsch und natürlich den Kasper!

All das sind Figuren aus der Augsburger Puppenkiste.

Der Roman von Thomas Hettche beginnt wie ein Märchen. Die Heldin ist ein Mädchen aus unserer Zeit. Nach einer Vorstellung entdeckt sie eine weiße Tür. Sie steigt eine finstere Wendeltreppe hinauf und schrumpft dabei auf Puppengröße zusammen. Auf dem Dachboden begegnet sie den Marionetten und Hannelore Oehmichen, genannt Hatü. Sie ist die Tochter von Walter Oehmischen, dem Erfinder des Theaters. Von Hatü erfährt das Mädchen nach und nach die Geschichte der Familie und des Theaters.

Herzfaden spielt auf zwei Ebenen, die sich im Buch auch farblich unterscheiden. Die märchenhafte Geschichte des Mädchens ist in roter Schrift, die Passagen über Hatü und ihrer Familie in blau gedruckt und im Präsens verfasst. Dadurch erlebt man in diesen Teil sehr intensiv und nah, wie Hatü von ihrem Vater die Kunst erlernt, die Marionetten zum Leben zu erwecken.

„Das ist der Herzfaden“, erklärt Walter Oehmichen Hatü und zieht mit dem Zeigefinger eine unsichtbare Linie in die Luft von dem armen Hänsel (Marionette) zu ihnen. "Der wichtigste Faden einer Marionette. Nicht sie wird mit ihm geführt, sondern mit ihm führt sie uns. Der Herzfaden einer Marionette macht uns glauben, sie sei lebendig, denn er ist am Herzen der Zuschauer festgemacht.“

Hettche beschreibt die spannende Lebensgeschichte von Hatü und die Magie des Theaters. Gleichzeitig erzählt er auch vom Schrecken der Diktatur, der Deportation der Juden und von Walter Oehmichen, der kein Nationalsozialist war, aber auch keinen offenen Widerstand leistete.

Ein ganz besonderes Buch!

ISBN_9783462052565

Verlag_Kiepenheuer & Witsch

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Petra Esser
Rezensiert von_