Kim Jiyoung, geboren 1982

Kim Jiyoung, geboren 1982

Cho Nam-Joo

Cho Nam-Joos Schreiben ist von zunächst irritierend nüchterner Distanziertheit, doch es wird rasch offenkundig, dass ihr Stil auf subtile Weise dafür Sorge trägt, dem Leser genaue jene Empfindungswelt aufzuzeigen, welche der Hauptfigur Kim Jiyoung im Laufe des Romans zueigen wird. Stellvertretend für unzählige andere (koreanische) Frauen zeigt sich hier die Entfremdung einer Frau von einer Welt, in der das eigene Geschlecht einen beinahe unüberwindbaren Einfluss auf den Lebensweg hat; ein stets bevorzugter jüngerer Bruder, die unsäglich schwierige Suche nach einer tendenziell anspruchsvolleren Anstellung, die ständigen Grenzübertretungen aus der Männerwelt. Was geschieht mit einem Menschen, der von Geburt an Benachteiligung, Demütigung und gar sexuellen Übergriffen ausgesetzt ist?

Nam-Joo hat eine literarische Antwort gefunden, die bei Erscheinen in Korea zu Massenprotesten gegen Misogynie führte. Ein eindringlicher und berührender Roman, der die Protagonistin überaus geschickt als Repräsentantin der gesamten (benachteiligten) weiblichen Welt positioniert und Probleme beleuchtet, die bis heute nicht gelöst sind!

ISBN_978-3-462-05328-9

Verlag_Kiepenheuer & Witsch

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Thomas-Daniel Reichling
Rezensiert von_