
Lázár
Nelio Biedermann
29.08.2025
Es ist durchaus schwierig, nicht mit einem Satz über die "Unverschämtheit" einzusteigen, die es bedeutet, dass dieser junge Autor schon zu solchem Schreiben fähig ist. Doch im Falle Nelio Biedermanns bleibt uns wohl nichts anderes übrig.
Die jahrelange Lebens- und Leseerfahrung, die man voraussetzen würde, scheint ihm offenkundig nicht zu fehlen und bei den ersten Sätzen richtet man sich gleich auf und rückt näher an den Tisch, denn etwas Besonderes entfaltet sich auf dem Papier. Mit Fortschreiten des Romans zeigt sich dann aber auch, dass wir hier nicht nur auf ein paar glückliche, aber letztlich willkürliche, Jung-Schriftsteller-Epiphanien blicken, sondern tatsächlich einen im Ganzen gelungenen Roman aus der Feder eines bereits durchaus virtuosen Autoren.
Hineingeworfen werden wir in die Wirrungen rund um das ungarische Adelsgeschlecht der von Lázárs, die als Barone zu Beginn des 20. Jahrhunderts nun das Beben der Zeit erfahren werden. Dieses Familienschicksal derart elegant zu erzählen und dabei in Glück und Unglück der Figuren zu stochern, während im Hintergrund die Weltgeschichte brodelt, ist mitreißend und berührend gleichermaßen. Getragen von präziser und ausdrucksstarker Sprache wird hier eine einzigartige Geschichte aufgemacht. Chapeau!
ISBN_978-3-7371-0226-1
Verlag_Rowohlt
