Ochsenkopf

Ochsenkopf

Manik Sarkar

17.07.2026

"[...] er wusste nur nicht, wie er es in Worte fassen sollte, wie er ihr klarmachen sollte, dass manche Dinge eben wichtiger waren als das reine Überleben, dass es ums Suchen ging, ums Streben, und dass alles umsonst war, wenn man das aufgab; dass dann am besten alles überhaupt nicht da wäre, er nicht, der Laden nicht, aber wie soll man die richtigen Worte finden, um das jemandem klarzumachen, dessen Leben man damit gleich mit zugrunde richtet […]"

Mit "Ochsenkopf" zeigt sich erneut, dass sich ein Blick zur Literatur unserer Nachbarn in den Niederlanden und Belgien sehr lohnt. Der riesige Erfolg von Gaea Schoeters "Trophäe" bewies das eindrucksvoll und der vorliegende Roman reiht sich ein in die Riege dieser im besten Sinne eigenwilligen Literatur. Hier finden sich mit erfreulicher Regelmäßigkeit Schriftsteller:innen, die sich nicht scheuen, kritisch auf Menschen und Gesellschaften zu blicken und dabei nicht die Schatten auszusparen.

Im Roman "Ochsenkopf" verfolgen wir den jungen Rensing, Sohn eines Dorfmetzgers, der ein unglaubliches Talent für diese Handwerkskunst besitzt, allerdings an vielen anderen Bereichen Defizite aufweist. Doch seine Fähigkeit, ein Tier in wenigen Sekunden perfekt zu taxieren, um Güte und Potenzial zu bestimmen, ist einzigartig. Dies trägt ihn durch die Ausbildung, obwohl er in Fragen des Kaufmännischen oder der Werbung sein tiefstes Desinteresse nicht verbirgt.

Als Rensing junior letztlich die Metzgerei des Vaters übernimmt und eine Metzgerstochter aus dem Nachbarsdorf heiratet, hat er große Pläne. Er ist sicher: Seine Unfehlbarkeit hinsichtlich der Qualität des Angebots und die Bereitschaft, dafür hohe Investitionen zu tätigen, würden ihm einen riesigen Vorteil verleihen. Das müsste die Menschen doch überzeugen, nicht das "minderwertige Zeug" aus dem Supermarkt zu kaufen, der gerade neu eröffnet hat.

"Ochsenkopf" verhandelt Ideale, für die ein hoher Preis zu zahlen ist und ein Schicksal, das im Mikrokosmos eines Dorfes entschieden wird. Schnell wird man hineingezogen in diese kleine Welt, die einen Mann zeigt, der mit imponierendem Starrsinn an seinen Werten festhält und somit unweigerlich in Reibung mit seiner Umwelt gerät. Eine Geschichte über Tugend, Ignoranz und den unbedingten Willen, sich selbst nicht zu verlieren.

ISBN_978-3-552-07594-8

Verlag_Paul Zsolnay Verlag

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