Paradais

Paradais

Fernanda Melchor

Im Verständnis Aristoteles’ war es Aufgabe und Mittel der Künste via sogenannter Mimesis (also in etwa: Nachahmung) eine Darstellung all dessen zu leisten, was uns Menschen umtreibt. In ihren Romanen (auch empfehlenswert: Saison der Wirbelstürme) widmet sich Fernanda Melchor vor allem den düsteren Seiten des Lebens (in Lateinamerika) und begibt sich dafür in das Milieu der Diebe und Prostituierten, der Mörder und Vergewaltiger. Dass dabei eine literarische Erweckung dessen erfolgt, was an Drastik kaum zu überbieten und nicht selten dem Leser beinahe unerträglich ist, liegt also gewissermaßen in der Natur der Sache.

Wer sich von dieser unablässig Grenzen überschreitenden Wesensart ihres Schreibens nicht abschrecken lässt, findet Geschichten, deren Eindringlichkeit kaum zu übertreffen ist. Besonders, dass durch die rauen, obszönen, brutalen und vulgären Geschehnisse unübersehbar große Traurig- und Verletzlichkeit schimmert, spricht für Fernanda Melchors literarisches Geschick und Gespür. Sie scheint hinter die hässlichen Fassaden zu blicken, auf Menschen, deren Lebensumstände scheinbar zwangsläufig in düstere Schicksale münden.

ISBN_978-3-8031-3338-0

Verlag_Wagenbach

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Thomas-Daniel Reichling
Rezensiert von_