So forsch, so furchtlos

So forsch, so furchtlos

Andrea Abreu

20.08.2022

Sommerferien auf Teneriffa: was im ersten Moment sehr verlockend klingt, bedeutet für die namenlose Ich-Erzählerin und ihre Freundin Isora nur eine lange Phase des Zeit totschlagen. Der nächste Strand, an den die beiden Teenagerinnen sich sehnen, liegt einen dreistündigen Fußmarsch entfernt. Und in ihrem Dorf gibt es niemanden, der Zeit hätte, sie dorthin zu fahren. Also streifen sie an der Durchfahrtsstraße entlang, spielen mit Barbies gar nicht kindliche Spiele und sonnen sich am dreckigen Kanal. Die Rolle der Erwachsenen in ihrem Leben ist marginal, denn diese arbeiten auf Baustellen oder reinigen die Ferienhäuser der Touristen. In dieser Trostlosigkeit sind sie mit ihren Fragen und Problemen auf sich allein gestellt. Isora wird von ihrer Freundin für ihren Mut und ihre Forschheit bewundert, doch im Laufe dieses Sommers wird sie immer mehr auch die dahinter verborgene Verletzlichkeit und Ohnmacht erkennen.

Andrea Abreus Debüt erzählt eine unglaublich intensive Geschichte über Freundschaft und sexuelles Erwachen. Dieser Text ist drastisch, derb, tabu- und schamlos, sehr körperlich und direkt. Wer Probleme mit der Verwendung von Fäkalsprache hat, sollte dieses Buch nicht zur Hand nehmen, es sei denn man ist bereit für Grenzerfahrungen. Denn hinter dem Tellerrand von Moral und Ästhetik geht es weiter - eine Einsicht, die einem von Literatur auch geschenkt werden kann.

Vielleicht hätte man diese Geschichte mit weniger drastischen Formulierungen erzählen können, aber mir wäre sie dann sicher nicht so unter die Haut gegangen und sie hätte nicht so einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

ISBN_9783462001754

Verlag_Kiepenheuer & Witsch

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