
Vaim
Jon Fosse
07.01.2026
„Ja jetzt fahren wir zu mir nach Hause, sagt sie
und ich sage nichts
Jetzt werden du und ich wieder zusammenleben, sagt sie
Ja, so ist das, sagt sie
und mir fällt dazu nichts ein"
Jon Fosse, der 2023 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde, legt mit Vaim einen ungewöhnlichen, lyrisch-dichten Roman vor, der durch unaufgeregte Schlichtheit besticht. Der Text erzählt aus den Perspektiven dreier Männer aus einem kleinen norwegischen Küstendorf.
Im Zentrum steht dabei Eline, eine Frau, deren kompromisslose Präsenz die Leben dieser drei Männer auf ganz unterschiedliche Weise aus den Angeln hebt. Doch Vaim ist keine dramatische Erzählung über das Verhältnis der Geschlechter, über Macht und Ohnmacht in Beziehungen oder die Dynamiken abgeschiedener Gesellschaften – obgleich all dies möglich gewesen wäre. Jon Fosse umschifft diese Themen und vollbringt dabei eine einzigartige ätherische Meditation über Erinnerung, Sehnsucht, Schein und Wahrheit.
Der Roman ist nicht handlungsgetrieben, eröffnet aber stattdessen einen Erfahrungs- und Empfindungsraum, dessen Geheimnisse im Ungesagten liegen. Das ist eine unkonventionelle, aber effektvolle Erzählweise, die darauf verzichtet, Antworten zu geben und zeigt, dass entsprechende Fragen vielleicht gar nicht so wichtig sind, dass dem Leben (und der Liebe) einfach ein Element des Unbegreiflichen zugestanden werden muss.
Vaims zentrale Figur Jatgeir würde dem wohl in seinen Bart murmelnd zustimmen, und den Blick wieder dem verlässlichen Meer zuwenden.
ISBN_978-3-498-00781-2
Verlag_Rowohlt
