Daheim

Daheim

Judith Hermann

"Ich habe mich auf das Leben verlassen – vielleicht ist es das, was Ann tut. So weit weg am Rand des Kontinents und da, wo die Dinge sich verschärfen. Ihre Koordinaten entfernen sich, sie tritt in ein Gewässer ein, das ungefähr ist und auf den Landkarten nicht mehr vermerkt. Als wäre die Welt eine Kugel, die aufbricht, sich in ein Universum ergießt."

Mit Daheim gelingt Judith Hermann ein außerordentlicher Roman, der in einem Gewand aus schlichter Eleganz daherkommt; in den Falten die großen Themen des Seins versteckt. Es ist dabei nicht zuletzt die besondere Präzision mit der die Schriftstellerin ihre Sätze bildet und dabei stets die genau richtige Menge an Wörtern setzt, die mich begeistert hat – Judith Hermann ist eine Meisterin im Einfangen von Momenten und des wohldosierten Ungesagten.

Die Geschichte ist die eines Lebens, wie es viele schon so oder so ähnlich ge- und erlebt haben: ein Verlassen und Verlassenwerden, ein Abschiednehmen und Neufinden, die immerwährende Konfrontation mit den nichtgegangenen Wegen. Eine Suche nach dem Ort, an dem man daheim ist – physisch wie psychisch, steht im Mittelpunkt dieses Romans, eine Suche, die ein Leben (oder länger!) lang dauern kann und auf der nicht jedes Rätsel eine Antwort erhalten muss.

Daheim zeigt die unaufgeregte Tragik eines jeden Lebens, ausgeglichen durch die tröstlichen Tatsache, dass man auf dieser Suche nie alleine ist. Ein Roman, der in leisen Tönen dem Existenziellen nachspürt.

ISBN_978-3-10-397035-7

Verlag_S. Fischer Verlag

_jetzt bestellen

Thomas-Daniel Reichling
Rezensiert von_