Kindheit, Jugend, Abhängigkeit

Kindheit, Jugend, Abhängigkeit

Tove Ditlevsen

In diesem Frühjahr ermöglicht uns die Neuübersetzung der "Kopenhagen-Trilogie", die Autorin Tove Ditlevsen zu entdecken, welche in ihrem Heimatland Dänemark längst Kultstatus hat. Bei der Lektüre wird schnell offensichtlich, dass diese Romane starke autobiographische Züge haben, denn die drei Bände Kindheit, Jugend und Abhängigkeit beschreiben das Aufwachsen eines Mädchen aus dem kargen Arbeitermilieu bis hin zu ihrem späteren Leben als Schriftstellerin, Mutter und Abhängige – Erfahrungen, die Ditlevsen nicht fremd sind.

Ditlevsen zeigt sich in diesen Romanen als Meisterin des Ungesagten und Doppelbödigen. Geschickt gestaltet sie Ihre Texte, erspart dem Leser vorgefertigte Urteile und lässt uns selbst ergründen, wie widersinnig und engstirnig sich ihre Umwelt für die Romanfigur oft darstellt. Die lakonisch-distanzierte Erzählhaltung ermöglicht und ermutigt den Leser, die Leerstellen mit der eigenen Interpretation zu füllen, was der Geschichte eine ganz besondere Eindringlichkeit und überraschende Authentizität verleiht. Gerade die vergleichsweise geringe Reflektierheit der Protagonistin lädt dazu ein, ihre Position selbst einzunehmen und Zeuge eines Lebenslaufes werden, der zu Beginn ganz und gar unwahrscheinlich erscheint.

Ein Buch, das auch die Schattenseiten von Leben und Liebe häufig in den Fokus rückt und die Geschichte einer Frau erzählt, die entgegen vieler Widerstände an ihrem Lebenstraum festhielt. Tove Ditlevsens "Kopenhagen-Trilogie" ist die Geschichte eines Lebens, ohne Kitsch und ohne Übertreibung, nicht mehr und nicht weniger.

ISBN_9783351038687

Verlag_Aufbau Verlag

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Thomas-Daniel Reichling
Rezensiert von_