Vatermal

Vatermal

Necati Öziri

11.08.2023

„Du sollst wissen, wer ich gewesen bin. Damit du niemals die Erleichterung fühlst, von der ich so oft heimlich träumte: von einem Toten angeschwiegen zu werden. Ich möchte dir für immer die Möglichkeit nehmen, nicht zu wissen, wer ich war. Ich werde von mir erzählen, aber ich werde permanent lügen. Nichts stimmt, und doch ist jedes Wort wahr.“

Der Erzähler, Literaturstudent Arda, liegt mit versagenden Organen auf der Intensivstation - der Tod ist für den Zwanzigjährigen damit plötzlich zu mehr als nur einer fernen Möglichkeit geworden. Arda wendet sich nun an seinen Vater, den er nie kennengelernt hat. So versucht er, das eigene Leben zu begreifen, aber auch das derjenigen, die seines geprägt haben: der Vater durch sein Verschwinden, die Mutter in ihrer Überforderung und die Schwester in ihrem ganz eigenen Kampf.

Die Perspektive ist die einer großen Verletztheit und der unbeantworteten Fragen, welche hier im Krankenbett einen Abschluss, einen Schlussstrich finden sollen. Es zeigt sich aber schnell, dass es so einfach nicht wird: Identität und Erinnerung sind gleichermaßen volatil und all den Menschen in Ardas Leben muss Raum gelassen werden für ihre ganz individuelle Wahrheit.

"Vatermal" ist eine kunstvoll gewobene türkisch-deutsche Familiengeschichte voller trügerischer Erinnerungen und vielfältiger Identitäten, ein ergreifendes Stück Literatur - manchmal brutal, manchmal zärtlich und immer auf der Fährte der Beziehungen, die ein jedes Leben ausmachen.

ISBN_978-3-546-10061-8

Verlag_Claassen

_jetzt bestellen